Wie die Blockchain-Revolution nachhaltig unterstützt werden kann

Huffington Post im Interview mit Soeren Maerz 

Interview mit Sören Maerz, Geschäftsführer der MAERZ | ROCH

Herr Maerz, noch während Ihres Bachelorstudiums eröffnete Ihnen der Kontakt mit dem Whitepaper des Bitcoin-Erfinders, Satoshi Nakamoto, ein neues Interessenfeld. Was ist für Sie das Faszinierende an der Blockchain?

Faszinierend an der Blockchain war für mich zuerst die Technologie an sich. Ich komme nicht aus dem IT-Bereich und hatte zu diesem Zeitpunkt extrem viel aufzuholen. Eine gute Freundin von mir, die Unternehmerin Magdalena Isbrandt, war in diesem Bereich zu einer Expertin herangereift und hat mir dann die technischen Dimensionen verdeutlichen können.

Persönlich hängt für mich aber noch viel mehr an der Sache. Die Nutzungsmöglichkeiten sind schier unerschöpflich. Ob wir jetzt von Smart Contracts, Kryptowährungen oder zum Beispiel Anwendungsmöglichkeiten im Logistik-Management reden, bewegt diese Innovation aber auch Menschen. Wer hat denn schon vorher die staatliche Kontrolle von Währungen hinterfragt? Das hat man vielleicht bei politisch motivierten oder wirtschaftlich hoch versierten Personen erlebt, aber eine breite Masse hat die Diskussion da nie wirklich aufgenommen. Eine Disruption im Bankensystem würde außerdem nicht nur die Geldwirtschaft in Frage stellen. Wir müssen uns fragen, ob die grundsätzlichen Werte dahinter noch aktuell sein können.

Ich persönlich glaube fest daran, dass wir uns derzeit in einem weltweiten Wertegefecht befinden. Ein Gefecht, das auf der einen Seite nach Transparenz und Gleichheit ruft. Auf der anderen Seite aber mit autoritärer politischer Führung und sinkender staatlicher Transparenz reagiert. Ich denke diese Diskussion kann ganz sicher von einer Technologie profitieren, die dezentralisiert funktioniert und vor allem vom Zeitpunkt ihrer Geburt an, freiheitlichen Werten verpflichtet ist.

Was macht die Blockchain für Sie zu einem der liberalsten Systeme überhaupt?

Ganz klar ihre Dezentralität, dass es sich bei der ersten Anwendung „Bitcoin“, um eine Kreation ohne staatliche Autorität oder rigide Besitzverhältnisse handelte.

Gleichzeitig bin ich als studierter Kommunikationswissenschaftler aber auch immer der Frage nach bestimmten Werten und soziokulturellen Codes auf der Spur. Die Crypto-Szene weißt ein extrem disperses Publikum auf. Das macht sie landläufig gesagt sehr bunt und damit zugänglich für jeden. Sie diskriminiert nicht zwischen Herkunft, politischer Meinung, Geschlecht, Sexualität, Religion oder anderen Faktoren, die leider in der etablierten Wirtschaft immer noch für Benachteiligungen sorgen. Das hat mich ausgesprochen beeindruckt und persönlich auch von einigen Vorurteilen befreit.

Wie sich das weiterentwickelt, wenn der angehörige Unternehmensmarkt sich konsolidiert und nur noch vermeintlich etablierte Branchegrößen bestehen bleiben, vermag ich nicht vorherzusagen. Ich bin mir aber sicher, dass im Vorfeld einige starre Gebilde aufgebrochen werden können.

Weshalb ist es schwer, Bitcoin und andere Kryptowährungen zu kaufen – insbesondere, wenn man neu mit dem Thema in Berührung kommt?

Das Ganze startet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der „Generation Gap“ und der unterschiedlichen, digitalen Affinität verschiedener Bevölkerungsgruppen. Das beschreibt aber erstmal nur den Status in der entwickelten Welt. Was nämlich die Grundvoraussetzung für digitale Währungen ist, ist der Zugang zum Internet. Ich möchte daher jetzt nur davon ausgehen, dass alle technischen Grundvoraussetzungen für den Kauf gegeben sind.

Ihnen begegnen zuerst dutzende Handelsplattformen, davon manche seriöser als andere, die Anzahl von Währungen hat sich gigantisch erhöht und an jeder Ecke des Netzes treffen Sie auf ein neues ICO. Diese ICOs bieten Investoren die Möglichkeit Tokens zu kaufen. Um es ganz vereinfacht zu sagen, ist es das Finanzieren eines Projekts indem man sich dazugehörige Coins (anfangs Token genannt) kauft. Eine Art des Fundings über Großinvestoren und Crowd quasi. An diese Tokens oder Coins sind meistens noch Incentivierungen geknüpft, die zum Produktportfolio des einzelnen ICOs gehören.

Sie sehen also, es ist ein Dschungel da draußen und da haben wir noch nicht über das Einrichten einer Wallet (virtueller Brieftasche für Kryptowährungen) gesprochen! Ich würde daher jedem erstmal empfehlen, sich schlau zu machen und da auch durchaus zum guten, alten geschriebenen Wort zu greifen. Wer dann online kaufen möchte, sollte sich genauestens informieren und seriöse Marktplätze bzw. Börsen ansteuern.

In Deutschland zum Beispiel wäre der Platzhirsch dafür Bitcoin.de. Als optionale Möglichkeit gibt es das Kaufen von Kryptowährungen an speziellen Automaten. Ich selbst habe ad interim als COO in einem solchen Unternehmen fungiert und bin inzwischen CMO. Das Unternehmen heißt Kurant GmbH und betreibt in Österreich Cryptocurrency-ATMs. Nach dem Prinzip eines Geldautomaten kann sich dort jeder, der über eine Wallet verfügt, FIAT-Währungen zu Cryptocurrency machen oder andersrum. Insbesondere Menschen, denen es im Internet direkt zu heikel scheint, sind Kunden der Kurant GmbH. Durch einen umfangreichen Support und absolute Transparenz versucht diese nämlich eine sichere Kauferfahrung zu garantieren.

Was war für Sie ausschlaggebend, selbst ein Unternehmen zu gründen?

Ich komme aus einer Familie, in der selbst viel Selbständigkeit zu finden ist. Daher war es immer ein Traum von mir, selbst als mittelständischer Unternehmer tätig zu sein. Wahrscheinlich begünstigt mich dabei aber auch eine gewisse Affinität zum Risiko. Ganz nach dem Motto, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ausschlaggebend war dann aber auch das Kennenlernen meines Geschäftspartners Mathias Roch. Er ist selbst Unternehmer und mit seinen 50 Jahren eine Mentorenfigur für mich geworden. Ich durfte ihn im Unternehmen meiner guten Freundin Magdalena Isbrandt kennenlernen, und über diese Zusammenarbeit hinaus dachte ich immer häufiger, selbst als Unternehmer tätig zu werden.

Zur Person:

Sören Maerz wurde 1990 in Heidelberg geboren. Seit seinem Abitur arbeitet er im Bereich von Public Relations und Marketing. In den ersten Jahren sammelte er besonders Erfahrungen im Bereich von Lifestyle- und Mode-Themen. Während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft verlagerte sich dieser Schaffensfokus. Mit dem Aufkommen von Social Media Kanälen als festem Bestandteil von Marketing begann er, als Social-Media-Marketing-Manager für einen deutschen Diamanthändler zu arbeiten. Die Arbeit prägende ihn entscheidend, weil er Erfahrungen im Start-Up-Bereich und dem ökonomischen Aufbauen eines Unternehmens sammeln konnte.

Noch während seines Bachelorstudiums eröffnete ihm der Kontakt mit dem Whitepaper des Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto ein neues Interessenfeld. Autodidaktisch brachte sich Maerz die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten zum Thema bei.

Nach Beendigung des Studiums und mit der Aufnahme eines Masterstudiengangs führte sein Weg nach Hamburg, wo er heute noch wohnt und arbeitet. Mit einem Master, der neben Medien- und Kommunikation einen starken Fokus auf wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse legte, begannen sich private Interessen und arbeitstechnisches Know-how anzunähern. Eine Station bei einer namhaften Hamburger PR-Agentur gab schließlich den Ausschlag für den Branchenwechsel: Hier stellte der junge Gründer bereits das Potential von themenübergreifender Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen in Wirtschaft und Finanzwelt fest und baute ersten Netzwerke auf.

Kurz darauf folgte er einem Jobangebot als Head of Press nach Wien, in das Cryptocurrency-Unternehmen „The House of Nakamoto“. Dort ebneten ihm seine bisherigen Arbeitserfahrungen über die Blockchain-Technologie den Weg. Durch den engen Kontakt zu einem der Gründer von „The House of Nakamoto“, Mathias Roch, entstand die Idee für eine spezialisierte PR-Agentur. Im Februar 2018 wurde die MAERZ ROCH GmbH gegründet, die Sören Maerz als Geschäftsführer leitet.